#03 - Brown-Eyes White Boy zwischen Nostalgie und Neuanfang - Interview

#03 - Brown-Eyes White Boy zwischen Nostalgie und Neuanfang - Interview

Zwischen Nostalgie und Neuanfang bewegt sich Brown-Eyes White Boy schon lange. Früh bekannt geworden, begleiten ihn die Songs seiner Anfangszeit bis heute – für viele sind sie Erinnerung, für ihn eher ein Kapitel, mit dem er längst abgeschlossen hat. In den letzten Jahren ist viel passiert: Pausen, Therapie, Nüchternheit und der Weg von Selbstanalyse zur Selbstbehauptung.

Im Gespräch erzählt er von seinem heutigen Blick auf den frühen Hype, von Abstand zur Szene, von Konsum und davon, warum seine Musik für ihn vor allem ein Tagebuch ist. Ein Gespräch über Selbstverständnis, Veränderungen und darüber, wieder anzufangen.

 

 

24.02.2026

Wie geht es dir?

Schwierigste Frage direkt am Anfang (lacht). Ich weiß ja nicht, man bemüht sich. Ich kanns nicht ganz festlegen. Ich bin nüchtern. Das ist das Einzige, was ich wirklich sagen kann. Und sonst, man ist am strugglen natürlich: Depressionen, Therapie, ADHS-Diagnose vor einem Jahr bekommen. Dadurch macht jetzt auch alles ein bisschen mehr Sinn. Vielleicht fange ich nächste Woche mit Ritalin an, mal gucken. Man lebt so vor sich hin und versucht zu überleben. Wirklich schwierige Frage, aber ich würde die gerne ausführlich beantworten.

Wie würdest Du deinen heutigen Sound beschreiben? Und wie hat er sich vielleicht auch entwickelt?

Also mit so musikalischen Begriffen kann ich ihn nicht wirklich beschreiben. Safe Rap, mit allem, was mir so über den Weg kommt. Reflektiv, melancholisch, obwohl ich das Wort nicht mag und autobiografisch auf jeden Fall. Es ist ein Tagebuch eigentlich. Und zur Entwicklung; man wird erwachsen und so auch der Sound. Es passt sich immer sehr an die verschiedenen Phasen in meinem Leben an. Thematisch hat sich nicht viel verändert. Und zum ganz aktuellen Sound, ich wollte nicht mehr singen und wieder rappen. Also ein bisschen dahin zurück, zu dem wo ich ursprünglich herkomme. (…) Von April 2024 bis April 2025 habe ich keine Musik gemacht und seitdem ich wieder recorde, habe ich kein einziges mal gesungen. (…) Ich bin jetzt viel involvierter in die Produktion als früher und das hat auch mit dem nüchtern sein zu tun. „Metanarkose“ war schon ein bisschen dirigierter von mir und jetzt sind es gerade nur Vocalsamples und Drums, die ich mir raussuche.

Bist Du aktuell gesigned oder independent?

Ich bin gerade noch bei Universal Vertigo unter Vertrag, ich weiß nicht, ob dir das was sagt. Da ist auch Jeremias, mein riesen Akh, und Ufo auch, mein Akh (lacht). (…) Ich habe da bei meinem aktuellen Distributionsvertrag noch zehn Songs offen. Und ich weiß nicht, eigentlich sollen das zehn Singles werden. Ich habe über die Jahre so viele Alben und EPs rausgebracht. Künstlerisch ist ein Album schon irgendwie mehr wert und auch erfüllender, aber was meinen aktuellen Stand angeht und die momentane Szene, da will ich einfach Songs releasen und, dass kein Song dabei untergeht. (…)

Was treibt dich an?

Für mich ist das meine einzige Option. Gar nicht mal so $uicideboy$ mäßig, aber bei mir gibt es jetzt keinen Plan B. Eigentlich gibt es gar kein warum mache ich das oder wofür mache ich das. Die Frage stellt sich gar nicht. Ich mache das einfach, das bin ich einfach. Da habe ich keine wirkliche Antwort drauf. (…) Dieses am Laufband laufen und in den Wald schreien, obwohl nichts zurückkommt, ist natürlich auch ein Thema. So viel reinzustecken und nichts zurückzubekommen. In dem Jahr, in dem ich nichts gemacht hatte, waren privat ein paar Themen, aber ich hatte auch einfach kein Bock. Ich habe mich vielleicht davor auch überarbeitet, was ich nicht dachte, dass das geht. Es war nicht mal unbedingt so, dass ich nichts mehr zu sagen hatte, aber ich habe eine Pause gebraucht. Und irgendwann musste ich einfach wieder schreiben.

Das Thema, das dich wohl am meisten umgibt, ist dein früher Erfolg. In einem Interview hast Du gesagt, dass dich der frühe Hype in deiner Entwicklung beeinträchtigt hat. Warum ist das so und was würdest Du dir heute wünschen, wie es hätte laufen sollen?

Das ist ein Fluch, der Segen ist weg. Das ist ein Jahrzehnt her (lacht). Ich glaube, ich hätte aber nichts anders gemacht. Es verfolgt mich immer noch und es war ja auch nicht gewollt, was da passiert ist. Ich habe eigentlich damit abgeschlossen, aber die Leute irgendwie nicht. Vor allem die Sachen vor dem Stimmbruch (lacht). Nach der EP (Vibes) und diesem Erfolg war ich schon direkt in einer kreativen Blockade. Vor allem diese Resonanz, dass mir alle zwei Tage irgendein Künstler geschrieben hat, den ich gefeiert habe und sowas. Das war dann halt selbstverständlich. Dann war ich weg, für ein halbes Jahr oder so, aber Leute haben das nicht gecheckt, dass ich noch Musik mache. (…) Es hat alles verändert, nicht nur meine Entwicklung. Ich habe mir das nicht gewünscht, dann war es da und auf einmal war es weg. Generell Bestätigung zu suchen, war schon immer ein Thema in meinem Leben. Also meine Sicht auf Musik und Erfolg hat es auf jeden Fall verändert und unterbewusst ist immer dieser Standard da. Jetzt ist der Standard halt „Ikarus“ und mit dem davor habe ich abgeschlossen. Es ist immer noch nervig, wenn Leute mich auf die alten Sachen ansprechen. Aber ich verstehe es auch, es ist diese Nostalgie, die man damit verbindet. Viele Leute, die das gehört haben zu der Zeit, waren ungefähr so alt wie ich und die Musik, die ich zu der Zeit gehört habe, verfolgt mich auch immer noch. 

Was unterscheidet dein heutiges Ich am meisten vom Alles Mango Brown Eyes White Boy und welche Gemeinsamkeiten habt ihr noch immer?

Ich habe jetzt tatsächlich Sachen, die ich zu erzählen habe, anders als damals. Also Sachen aus meinem Leben, die ich thematisieren kann. Ich meine, über was habe ich damals geredet? Klar, das ist ein hoher Standard für einen zwölfjährigen Jungen, aber die Sachen, die ich erzählt habe, haben nicht gestimmt. Ich war nicht draußen mit meinen Freunden, ich hatte keine Freunde. Der Unterschied ist auch, dass ich jetzt in der echten Welt lebe, damals war das ein Traum, den ich mir ausgemalt habe. Ich war auf jeden Fall sehr unschuldig, das Leben hat einen noch nicht geprägt, es war sonnig und Friede Freude Eierkuchen. Das fehlt irgendwie, aber ich kann nicht über irgendwas reden, was nicht so ist. Aber naja, das Kind ist immer noch da. Jetzt ist es ein bisschen vergraben aber ein Teil von dem ist auf jeden Fall noch da. Alle 64 Bars sag ich schon auch mal was Lustiges aber die Realität hat das eingeholt.

„Und ich hoff`nur, dass der kleine Junge froh ist, reis´in die Vergangenheit und geb ihm mit, es lohnt sich“ (Ikarus). Ein häufiges Motiv in deinen Texten, ist das Kind in dir. Was würdest Du ihm noch mitgeben?

Es ist nicht so deep. Alles kommt, wie es soll. Man hat nicht so viel über den Ablauf der Dinge zu entscheiden, wie man denkt. Auch so Klischees, wie alles wird ok. Wird es ja irgendwann hoffentlich. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Glaubst Du, dein jüngeres Ich würde zu deinem heutigen aufsehen?

Nein. Wobei warte, doch safe. Ich früher würde schon denken, der ist voll cool. Aber in dem Alter, false idols auch, i guess. Wenn ich mich als jemand anderes betrachte, dann safe.

„Wie soll ich unter euch leben? Ich bin nicht wie die andern.“ (Narben). Fühlst du dich heute weniger als Außenseiter oder hat sich nur dein Umgang damit verändert?

Also früher war ich eher Außenseiter in der Society. Inzwischen ist Rapper sein anerkannter und cooler als früher. Man merkt ja, wie viele Leute anfangen Musik zu machen, vor allem weil es cool ist und nicht der Musik wegen. Und jetzt bin ich irgendwie Außenseiter in der Musikszene. Ich war überall, ich kannte jeden gefühlt irgendwann mal. Aber ich habe mich halb bewusst, halb unbewusst ein bisschen abgegrenzt. In Salzburg gab es eh niemanden und in Wien habe ich mich von allen prinzipiell entfernt. Ich habe noch meinen Produzenten Enzo Gaier, ich liebe dich bro (lacht). (…) Jetzt ist es halt eine bewusste Entscheidung. Ich habe mir ausgesucht, mich von problematischen Menschen und Menschen, die mit diesen Menschen zu tun haben, zu distanzieren. Also prinzipiell alle Künstler in Wien. Da geht es darum, dass ich ein Rückgrat habe. (…)

Inwiefern ist die Szene in Wien problematisch?

Guck mal, es gibt hier in Wien jemanden, mit dem alle irgendwie über Ecken connected sind und naja, was soll ich sagen. Sein Legal Team ist super, jedes TikTok wird gelöscht und vielleicht gibts auch Anzeigen. Es gibt viele viele Opfer und es wurde auch mal von Journalisten aus größeren Zeitungen Research gemacht über Jahre. Aber niemand traut sich. Ich meine nach diesem Rammstein Ding, was bringts denn? Du wirst retraumatisiert, du bekommst vielleicht eine Anzeige wegen Verleumdung oder übler Nachrede, du hast keine tragbaren Beweise, du bist nur gefickt. Und weil das ein großer Artist ist, hast du dann auch noch die Fans gegen dich. Ich habe immer noch die Hoffnung, dass der Tag kommt. Und dann will ich die ganzen Reaktionen von den Leuten mal sehen.

Welche Rolle spielst Du in der Szene und welche möchtest Du spielen?

Industrywise bin ich jetzt nicht so gefragt. Es ist nicht so, dass Labels mich direkt signen wollen, wenn die sehen, dass ich aus meinem Vertrag raus bin. Aber Musikerwise, ich weiß nicht, ich bin so your favorite rapper favorite rapper (lacht). Das ist so meine Rolle, die ich seit Jahren spiele, aber eigentlich nicht spielen will, um ehrlich zu sein. (…) Ich bin der jüngste Unc auf jeden Fall, das wäre ein guter Titel. Youngest Unc (lacht).

Auf Instagram teilst du regelmäßig, wie lange Du nun bereits auf Cannabis verzichtest und auch in vielen Texten verweist Du auf Konsum. Welche Rolle haben Substanzen in deinem Leben und deinem Schaffen gespielt und wie stehst Du heute dazu?

Ich denke, ich habe durch Konsum in manchen Zeiten viel geschafft, was ich sonst nicht geschafft hätte. Musik durchzuziehen zum Beispiel, einfach weil ich ein bisschen chillen konnte. Es war für eine lange Zeit alles, also mein ganzes Leben war nur Konsum. Es war Jahre lang das Wichtigste in meinem Leben und was mich ein bisschen über Wasser gehalten hat. Rückblickend, mit der ADHS-Diagnose, macht vor allem das Kiffen Sinn. Aber es gab viele Dinge, die nicht hätten sein müssen, vor allem wurden Menschen verletzt. Und wenn man richtig zuhört, hört man musikalisch schon auf welchem Level ich da konsumtechnisch war. Ich habe Konsum erst spät thematisiert, vor allem wegen meiner Eltern, denn die haben zugehört. Ich habe mit zwölf angefangen und mit siebzehn oder achtzehn das erste mal darüber geredet. Und darüber sprechen zu können, macht den Prozess von Musikmachen einfacher. Ich würde auf keinen Fall sagen, dass es kreativer macht. Das ist Bullshit und das reden sich Leute ein, die nicht aufhören können. Ich judge das nicht, ich verstehe das auch. Ich denke aber, dadurch dass ich ohne Konsum motivierter bin, kommt auch mehr Kreatives. Es kommt nicht ganz so leicht aus dem Bauch heraus, man überdenkt ein bisschen mehr, man zerdenkt Sachen auch, aber es ist nicht wichtig.

Hattest Du eine Suchtverlagerung?

Normal Bro. Ich habe angefangen das doppelte zu rauchen. Ich rauche zwei Schachteln am Tag und Elfbar auch. Essen war ganz schlimm, also so Fastfood, vor allem wegen dem ADHS. Ich habe versucht eine Zeitlang zu trinken, das ging gar nicht. Mein Hottake ist, dass Trinken ohne Kiffen scheiße ist. Und Kaffee trinke ich auch viel mehr.

Lange hast Du sowohl deinen Konsum als auch deine Musikkarriere vor deiner Familie verborgen. Was bedeutet Offenheit heute für dich – privat wie künstlerisch?

Das war keine Absicht, ich wurde erwischt. Ich meine, Kiffen kann man irgendwann nicht mehr verstecken, man riecht das irgendwann und so. Das war ein schwieriges Thema. Alle anderen Substanzen sind dann mit der Bloodwork nach meinem ersten epileptischen Anfall rausgekommen. Da wurden meine Eltern informiert, weil ich noch nicht achtzehn war. Mein Vater wusste da noch nicht mal, dass ich rauche (lacht). Mein Vater versteht sowieso nicht, wie ich mich in der Musik ausdrücke, schon rein akustisch. (…) Offenheit in dem Sinne war befreiend auf jeden Fall. Die Beziehung ist besser geworden. Man muss ja sonst die ganze Zeit ein Doppelleben führen. Es ist schon eine Last von den Schultern gefallen, dass die Eltern so ein bisschen wissen, was abgeht. Parallel zum offenen Reden über Konsum ist dann auch das offene Reden über Psyche und so gekommen.

 Mit Metanarkose entfernst du dich hörbar weiter von Trap-Ästhetik und Popkultur-Motiven. Ist „Metanarkose“ für dich ein Ende oder ein Anfang?

Das Ende von einer Zeit. Das Release war wichtig für mich persönlich und das Album war schon ein Jahr davor fertig. Das war alles in einer schwierigen Zeit, das hört man vielleicht auch. Es war auf jeden Fall ein Abschluss, auch wenn jedes Ende ein Anfang ist. Und danach kam länger nichts. Und mit der ersten Single nach dem Album „Andere Stadt“, kam dann das neue Kapitel.

Wenn Du dem Kapitel danach einen Titel geben müsstest, welcher wäre es?

Das ist für mich dann wie ein Albumtitel und Albumtitel zu machen, ist das Schwerste für mich. (…) Wieder da, im Sinne von tatsächlich wieder im Leben. Das klingt voll scheiße, so Hip Hop mäßig. Man kriegt das auf jeden Fall besser geworded. Reinkarnation oder warte, ich bin doch gut in der deutschen Sprache… Wiedergeburt. Phoenix aus der Asche (lacht).

Gr1mer, Yung Purple Mvk und seitdem nun schon sehr lange Brown-Eyes White Boy. Hattest Du im Kontext Neuanfang mal den Gedanken, dass ein neuer Name dir andere Freiheiten geben könnte?

Yung Purple Mvk war meine Berg Money Ära, da habe ich das erste mal Yung Lean gehört und solche Sachen. Das war viel schlechter als Gr1mer. Zwei Songs wurden auf Youtube reupgeloaded, habe ich gefunden (lacht). Und Brown-Eyes White Boy kommt einfach von Blue Eyes White Dragon. Die in der Klinik dachten es geht um Drogen, um Braunes und Weißes (lacht). Ich bin weiß und habe braune Augen, mehr ist nicht dahinter. (…) Ich denke dadurch, dass ich schon so oft den Sound gewechselt habe, ist das kein Thema. Ich habe mir diese, sagen wir mal Brand, jetzt auch so lange erarbeitet, wofür soll ich das jetzt noch ändern. Natürlich denke ich mir oft, was das für ein scheiß Name ist und ein neuer Abschnitt, vor allem wegen dieser Alles Mango Dings, wäre geil. Aber das steht irgendwie nicht zur Frage, den Namen werde ich nicht killen.

Wann war deine Prime?

Jeder Künstler, der sagt, dass seine Prime mal war wtf. Wenn deine Musik in deinen Augen nicht das Beste ist, was du jemals gemacht hast, dann machst du irgendwas falsch. Meine Prime ist rein musikalisch jetzt, safe.

Wie stehst Du zu deinen alten Tracks heute?

Also „Vibes“ nein, vergiss es. Aber danach gibt es viele Songs, die ich mag. Das meiste aus der Plug Zeit. Das Erste was mir einfällt ist „Rücksitz“. (…) Teilweise gefällt mir meine Wortwahl auf manchen Sachen nicht. Vor allem wenn man so Wert legt auf sein Pengame, dann ist man schon oft so, dass man das heute besser sagen könnte. Aber es sind schon coole Sachen dabei, so ist es nicht. Ich hab auch alle halbe Jahre so einen Tag, wo ich meine Diskografie auf shuffle höre. Es gab auch Zeiten, in denen mich das nostalgisch gemacht hat, aber heute ist das einfach ein Teil der Geschichte. 

Es fällt auf, dass Du viele kleinere Artists bei Instagram diggst und scheinbar ein Auge für Newcomer hast. Wie kommt das und möchtest du hier Shoutouts geben?

Poah, jetzt geht’s los. Ich habe jeden Monat eine neue Playlist und da müssen dann neue Sachen rein. Es ist schon immer mein Ding gewesen. Was Talente scouten angeht, bin ich meiner Meinung nach einer der besten A&Rs im deutschsprachigen Raum. Das ist nicht mal übertrieben. Ich liebe es Musik zu konsumieren und für mich bin ich immer noch größerer Fan als Musiker. (…) Vor allen anderen auf einem Artist zu sein, ist schon auch ein Ding. Ich habe gute Receipts, ich hab mit EsDeeKid geschrieben, als der noch nichts auf Spotify hatte. Aber ich gaine halt nichts davon, also kriege kein Geld dafür. Ich will einfach Liebe zeigen, ich bin mit dieser Kultur aufgewachsen und Teil dieser Kultur. Es ist vermutlich auch ein bisschen Helfersyndrom, denke ich. Der Begriff ist ein bisschen overused, aber wenn ich jemanden finde, der klein ist, biete ich schon meine Hilfe an. Ich versuche, dass das nicht so übergriffig wirkt. Zum Beispiel MikeyCyrus, also Pecska, für den mache ich viel. (…) Und Namen, ok. Ich bin die HipHop Polizei auf jeden Fall (lacht). Mein internationaler Safecall ist Judah Weston. Vertrau mir, das ist der nächste Star. In Deutschland Mikey, Aachendemon, obwohl das ja fast schon mainstream talk ist. 1Bolin und Rick auf jeden Fall, der ist auch schon fast Unc. 6ouraizi ist ein wichtiger Name, baesthh safe, 4oreverfriday ist gut, Keule ist mein Akh. Sotbarn und dc200x finde ich krass. Kaisa Natron, das ist Straßenrap, aber feier ich. Paxx ist super. (…) Bei Amis will ich erst gar nicht rein gehen, da habe ich zu viele Sachen. (…) Ich hatte schon ein paarmal den Gedanken A&R zu sein, aber die leiden letztlich genauso unter der Industrie, wie die Künstler. Wenn dann im Kontext von einem eigenen Label, aber die Selbstständigkeit fickt mich jetzt schon und dann noch ein eigenes Labelkonstrukt aufzustellen, ich weiß nicht. Ich glaube, es würde mir mehr liegen als Musiker zu sein, sage ich ehrlich, aber dann ist man halt auch ein Teil von dieser gefickten Industrie. Unabhängiger Talentscout wäre vielleicht etwas. Aber es ist schon auch ein Ding so, gescheiterte Musiker, die A&Rs werden und das Klischee will ich nicht erfüllen.

Sind Features ein Thema?

Ich bin offener wieder. Es gibt schon ein paar Features, dich ich machen will. Mit Kaisa Natron, das ist schon länger geplant. Jassin muss, aber da sind wir noch nicht zu gekommen, ist aber auch geplant. Und Skrt Cobain würde ich vielleicht machen.

Wie stehst Du zum Live spielen generell und momentan?

Mein erster Auftritt war so 2020 vor oder während Corona. Meine Freunde und ich hatten auch Corona vor allen in Wien, ich glaube, wir waren Superspreader (lacht). Die Voracts waren krass, das war echt lustig. (…) Bei Keule war jetzt neulich mein erster Auftritt seit 2023. Ich habe mich einfach psychisch davor nicht bereit gefühlt. Der Auftritt war ziemlich Horror, sage ich ehrlich. Alle haben gesagt, dass es geil war aber für mich nicht. Ich müsste wieder reinkommen, ich bin aber nicht abgeneigt. Das Auftreten ist für mich eigentlich der schwierigste Part von diesem Job. Ich will nicht sagen, dass es mein Albtraum ist, aber es fällt mir schon schwer, vor allem nüchtern. Bei Keule war mein erster nüchterner Auftritt jemals. Es ist für dieses Jahr nichts geplant, aber man sieht mich sicher live dieses Jahr, auch außerhalb von Wien.

Du hast mit @stehls13 einen Instagram Account, auf dem Du mit Kleidung handelst und verfügst über ein verrücktes Archiv an Stücken. Wenn Du von einer Brand deiner Wahl gesponsort werden könntest, welche?

Das verändert sich immer. Aber gerade schon altes Gucci, 90er bis 2012 so. Das wäre gerade am passendsten. Und wenn ich eine Designerin sagen müsste, dann Frida Giannini. Die hat Gucci nach Tom Ford gemacht. (…) Ich muss sagen, die Balenciaga und Gucci Era mit fetten Logos überall drauf, hat alles ein bisschen kaputt gemacht. Und gerade gibts gefühlt nur Instagram Brands. (…) Ich hatte eine Rick Owens Phase, meine Rick Psychose. Diese full Rick Zeiten waren schon schlimm.

Was ist dein nischigstes Interesse?

ASMR. Aber nur als Konsument. Ich habe ASMR Videos geschaut, da hießen die noch Whsipering Videos. So ein gutes Haircut ASMR oder Arzt Cranial Nerve Exam ASMR zum Einschlafen ist schon das Beste (lacht).

Danke Livio.